360 Grad Videos im Outdoor-Sport

360 Grad Bilder und Videos tauchen in der Outdoorwelt immer häufiger auf. Was sind die Vorteile? Was kann schief gehen? Wie landet man punktgenau mit seinem Content beim User? Chris Lemke führt mit Bergwasser Canyoning seit Jahren eine Outdoorsport Firma und ist fasziniert von 360 Grad Inhalten. In einem Gastbeitrag verrät er, wie er die 360 Grad Kamera wirkungsvoll auf und im Berg verwendet.

360 Grad Bilder im Outdoor-Sport
Den Panorama-Ausblick mit 360 Grad Bildern genießen. Hier: Im ausgeklappten Equirectangular-Format

360 Grad Videos im Outdoor-Sport

Bis vor wenigen Jahren waren 360 Grad Videos in meiner Nische “Outdoor” eher dünn gesät. Und als ich das erste Mal von einer solchen Kamera hörte, habe ich mir ehrlich gesagt nicht allzu viel davon versprochen. Damals, 2017, brachte mich ein Redakteur des Outdoor Magazins mit dem Thema in Kontakt, nachdem wir die 360 Grad Kamera aber in der Schlucht getestet hatten, haben wir uns gegen eine Veröffentlichung des Material entschieden. Zu dunkel, zu verwackelt (trotz 360 Grad) und einfach: seiner Zeit etwas zu sehr voraus.

Heute schaut es etwas anders aus. 360 Grad Videos kommen z.B. oft aus der Mountainbike Ecke und wenn man gut gemachte Videos schaut, ist jeder sofort neugierig und es drängt sich sofort die Frage auf: Wie haben die das bitte schön gemacht?

Das ist dann schon der Beginn der vielen Vorteile von 360 Grad Inhalten – denn sie sind interaktiv. Und das ist wichtig für Google, Youtube und andere wichtige Suchmaschinen. Hintergrund ist, dass es so viele (in unserem Falle “Canyoning”) Firmen, Verlage oder Sportler gibt, die alle das Gleiche wollen: Die Aufmerksamkeit von Google und Youtube. Denn alle möchten Klicks, Views und Interaktion, die am Ende zu neuen Kunden führen. Nun muss die Suchmaschine entscheiden, wer prominent gelistet wird. Und Google wünscht sich nichts sehnlicher als User, die möglichst viel Zeit auf ihrer Plattform verbringen. Ergo, 360 Grad Videos sind auch aus unternehmerischer Sicht ein “Must-Do”.

360 Grad Kameras vs. „normalen“ Kameras im Outdoor-Bereich

Ich kann mich noch gut an die Anfänge der Videoerstellung im Outdoorbereich erinnern. 2005 sind wir mit “normalen” Kameras in die Schlucht gegangen, die dann spezielle Cases bekommen haben, mit denen man dann jeden einzelnen Knopf drücken konnte. Wir waren damals natürlich begeistert, und für Fotos waren die Resultate durchaus akzeptabel. Aus heutiger Sicht würden wir das Material allerdings nicht mehr benutzen. An gute Videos war eh kaum zu denken.
Dann kam die Ära der GoPro Kameras. Begonnen hatte wiederum alles damit, dass kleine Kompaktkameras in wenig größere Cases gesteckt wurden. Dies führte dann im weiteren dazu, dass durch die Erschütterungen eine unerträgliche Geräuschkulisse entstand. Beispiel gefällig?

Inzwischen sind wir in der Zeit der sehr stark stabilisierten und mit mehreren Mikrofonen ausgestatteten GoPro (es gibt natürlich auch andere Hersteller) angelangt. Es sind mit wenig Vorkenntnissen sehr gute Videos zu erstellen und das Filmen, Nachbearbeiten und Anschauen macht richtig Spaß. Umschauen kann man sich allerdings immer noch nicht.

360 Grad Kameras beim Canyoning

Bis jetzt. Denn mit 360 Grad Kameras ist ein “Einfühlen” in unseren Sport erstmals möglich. Und das ist auch wichtig. Ich betreibe seit übe 5 Jahren eine Canyoningfirma, habe unzählige JGAs mitgemacht, viele Gäste abgeseilt und zahlreiche Sprünge absolviert. Und trotzdem rufen mich oft noch Gäste an, die mir sagen, dass sie noch nie Canyoning gemacht haben. Das verwirrt mich.

Aber auf der anderen Seite habe ich nun (endlich) die Möglichkeit, Gästen teile der Schlucht bereits im Vorhinein zu zeigen und so ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie die Tour sein wird. Denn die ökonomische Theorie sagt auch: Jede Entscheidung (beim Kunden) verursacht ungute Gefühle (“Habe ich das Richtige getan?”). Mit möglichst vielen und möglichst genauen Informationen kann ich meinen Kunden etwas Angst nehmen und bin so (hoffentlich) erfolgreicher. 360 Grad Inhalte führen also eher zum Erfolg.

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Einschränkungen für 360 Grad Videos beim Canyoning

Aber natürlich gibt es auch Grenzen. Die hauptsächlich von mir verwendete Kamera Insta360 One X ist nicht wasserdicht. So verwende ich bei “Actionshots” das etwas klobige Adventure Case. Das funktioniert soweit auch gut, aber sobald Wassertropfen, Fingerabdrücke oder Partikel auf dem Case sind, ist es vorbei. Dann ist der Anschauspaß direkt “dahin”.

Wo klappen 360 Grad Einblicke besonders gut?

Meiner Erfahrung nach bei bildgewaltigen Filmen und Fotos, an denen User schon gewesen sind oder sich auskennen. Zum Beispiel habe ich mal hier ein Bild vom Hahnenköpfle im Kleinwalsertal gepostet, das eine sehr hohe Reichweite bekommen hat. Und dabei waren wir noch nicht mal auf dem Hauptgipfel, dem Ifen:

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Skifahren eignet sich generell sehr gut, um 360 Grad Videos zu transportieren. Aus meiner Sicht kommen Videos besonders gut an, wenn zwei Anforderungen erfüllt sind. Erstens sollte man möglichst früh auf der Piste sein, sodass man noch “Rillen” abfilmen kann. Und zweitens ist es gut, wenn man einen Wintersportler hat, dem man hinterherfahren kann. So können sich die User “in die Piste hineinversetzen”.

Zukunft der 360 Grad Technologie im Outdoor-Sport

Aus meiner Sicht sind 360 Grad Videos nicht mehr aus dem Outdoor-Sport wegzudenken. Ich persönlich laufe durch die Gegend und habe immer meine Insta One X am Mann. So kann ich einen Shot einer verschneiten Innenstadt oder von einem Gipfel machen, wenn ich zufällig vorbeischaue. Knackpunkt ist aber wie immer der Kunde / User. Wenn er nicht versteht, was 360 Grad ihm für einen Vorteil bringt, wird er die Inhalte wohl kaum gewinnbringend konsumieren. Für uns geht es also vor allem, intelligent zu kommunizieren und die Inhalte mit Bedacht zu setzen.

Mehr zum Thema Virtual Reality und Sport finden Sie auch in der Zusammenfassung des nextReality.Hamburg Meetups über die Potenziale von VR im Sport!

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