Die digitale Welt hat uns weltweit näher zusammengebracht, Distanzen abgebaut und bietet heutzutage vielfältige Möglichkeiten zum connecten, entdecken und erleben. Mit unseren virtuellen Rundgängen und 3D-Showrooms bringen wir Ausstellungen ins heimische Wohnzimmer, führen Virtuelle Wohnungsbesichtigung durch und lassen Zuschauer:innen hinter Kulissen verschiedenster Unternehmen blicken (Orte erlebbar machen, dir nur schwer zugänglich sind.)

Heute möchten wir einmal näher darauf eingehen, was Barrierefreiheit im Netz eigentlich bedeutet und welche Barrieren ein virtueller Rundgang für Menschen mit physischen oder geistigen Einschränkungen abbauen kann. Starten wir am besten damit, einmal zu verstehen, was Barrierefreiheit überhaupt ist und was sie alles umfasst:

"Accessible Entry" Schild auf Mauerwand um das Beitragsthema Barrierefreiheit zu symbolisieren

Wie virtuelle Rundgänge neue Möglichkeiten im Bereich der Inklusion schaffen und was es im Hinblick auf Barrierefreiheit zu beachten gilt.

Was bedeutet eigentlich Barrierefreiheit?

Barrierefreiheit wird nach dem Behindertengleichstellungsgesetz wie folgt definiert: “Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sind. Hierbei ist die Nutzung behinderungsbedingt notwendiger Hilfsmittel zulässig.”
Barrierefreiheit ist also ein wichtiges Element einer inklusiven Gesellschaft. Inklusiv bedeutet: Alle Menschen, ob mit oder ohne Behinderung, können an allen Bereichen des Lebens selbstbestimmt und gleichberechtigt teilhaben. Und da wo Orte, Räume oder Kommunikationsmittel nicht barrierefrei sind, bleibt Teilhabe am kulturellen und politischen Leben, an der Arbeitswelt und in der Freizeit verwehrt.

Wie lassen sich Barrieren mit virtuellen Rundgängen abbauen?

Doch nicht nur körperliche Einschränkungen schaffen Barrieren. Auch andere Barrieren (finanzielle, räumliche und zeitliche) können digital abgebaut werden. Wer die Kosten für eine Reise zu einem Event oder in ein Land nicht auf sich nehmen kann, steht automatisch vor solchen Barrieren. Zeitlich kann es schwer werden, an zwei Orten gleichzeitig zu sein.
Ein virtueller Rundgang, digitale Konferenzen, Videobotschaften und co. können diese Barrieren abbauen und Besucher:innen die Möglichkeit geben, sich die Räumlichkeiten, die Ausstellung oder auch die Produktpräsentation an jedem Rechner oder mobilen Endgerät der Welt anzuschauen.

Showcase: Virtueller Rundgang durch die Ausstellung „Echt mein Recht!“

Ein passendes Beispiel schafft die Wanderausstellung „Echt mein Recht!“ des PETZE-Institut für Gewaltprävention. Diese richtet sich an Menschen mit Lernschwierigkeiten und thematisiert den Schutz vor sexualisierter Gewalt. An sechs Stationen können Interessierte die verschiedenen Themenbereiche digital erkunden und über Audio-Infopunkte einige der zahlreichen interaktiven Inhalte der Wanderausstellung  anhören:

Showcase: Virtueller Rundgang durch eine Ermündigungswohnung

Ein weiteres Beispiel, bei dem ein virtueller Rundgang eingesetzt wird, um einen barrierefreien Zugang zu schaffen, liefert die Ermündigungswohnung des Smart Living & Health Center e.V.: Der virtuelle Rundgang durch die Musterwohnung gibt Betroffenen einen beispielhaften Einblick der vielfältigen Möglichkeiten für ein unterstütztes Leben und Wohnen trotz Einschränkungen im Alter ab. Ziel ist es, Menschen dabei zu unterstützen, sich in den eigenen vier Wänden den Traum vom selbstbestimmten Leben zu erfüllen und zu zeigen, wie sich das Leben trotz gesundheitlicher Einschränkungen gut meistern lässt und welche Technik in Zukunft dabei unterstützen kann. Der virtuelle Rundgang zeigt Lösungen für den barrierefreien Alltag mit vielfältigen innovativen Produkten für den Wohn- und Schlafbereich, sowie für Bad und Küche:

Barrierefrei im Internet

Um dabei aber auch für alle Menschen erreichbar zu sein, gilt es, einige technische Voraussetzungen zu beachten und sprachliche sowie optische Barrieren abzubauen. Gerade Menschen mit Seh-, Sprach-, oder Gehör-Einschränkungen können ansonsten leicht ausgegrenzt werden. Die technischen Möglichkeiten, um Menschen mit solchen Handicaps mitzunehmen, gibt es.

Die Barrierfreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) stellt eine europäische Rechtsverordnung im Rahmen des Behindertengleichstellungsgesetzes dar und definiert die Richtlinie sowie die Fristen zur Umsetzung für das Informationsangebot von öffentlichen und staatlichen Institutionen. Ein wichtiger Schritt für die Inklusion und eine gute Vorlage, der auch in der freien Wirtschaft mehr und mehr Bedeutung beigemessen werden sollte. Ein Zertifikat ist keine Pflicht, aber auf vielen Seiten finden sich bereits hilfreiche Tips, die auch Nicht-Programmierer einfach umsetzen können, um ihre digitalen Inhalte möglichst barrierearm zu gestalten.

Was gilt es in Sachen Barrierefreiheit zu beachten?

Angefangen vom leichter, verständlicher Sprache, über Alternativtexte bei Bildern für Vorleseprogramm für Blinde bis zu Videos mit Untertiteln und Gebärdensprache gehören all diese technischen und inhaltlichen Mittel zum Abbau von digitalen Barrieren und bieten den Betroffenen die Möglichkeit, das Angebot zu konsumieren.
Jedes Website CMS hat die Funktionen Alternativtext, Videoprogramme und Streaminganbieter machen es heutzutage einfach, mit wenigen Kniffs automatische Untertitel einbinden zu können.

Farbliche Kontraste und große Schriftarten sind im Allgemeinen sehr hilfreich für die Usability von Websites – sie tragen dazu bei, dass Besucher:innen sich einen schnellen Überblick verschaffen können, intuitive und leicht die gesuchten Informationen finden und Ihre Botschaften beim Kunden ankommen.

Inklusion mit Virtual Reality

Virtual Reality bietet bereits heute viele Möglichkeiten, Erlebnisse zu schaffen und Menschen das Gefühl zu geben, inmitten des Geschehens zu sein (Was ist Virtual Reality?). Inklusion wird so um ein vielfaches einfacher. Auch wenn nach wie vor verschiedene Einsatzbarrieren die massentaugliche Verbreitung der Technologie hemmen, gibt es bereits vielfältige Einsatzfelder wie z.B. in den Bereichen Medizin, Physio, Regeneration, Lehre und Forschung.

In dem Nutzer:innen immersiv (siehe Blog-Beitrag zum Thema Immersion) in den Inhalt eintauchen können, entsteht im besten Fall ein Präsenzgefühl wie in der virtuellen Welt. Für Menschen mit Handicap wie z.B. Rollstuhlfahrer entsteht so die Möglichkeit, dem realen Erlebnis einer Achterbahnfahrt oder eines Hindernislaufs digital sehr nah zu kommen. Dabei unterscheidet die virtuelle Welt nicht zwischen Menschen mit und ohne Behinderung. Jeder Spieler betritt eine auf ihn selbst angepasste virtuelle Welt. Und kann in dieser zahlreiche Erfahrungen machen, die er im “realen” Leben vermutlich nicht gemacht hätte.

Aber auch „andersherum“ kann Virtual Reality einen großen Beitrag in Sachen Inklusion leisten. Nicht ohne Grund bezeichnete der Filmemacher Chris Milk die Technologie als „ultimative Empathiemaschine“, die es schafft, Zuschauer:innen in verschiedenste Szenarien hineinzuversetzen. Wie die Technologie konkret zur Empathievermittlung genutzt werden kann, zeigt die VR-Experience „Impression Depression“ der Robert-Enke-Stiftung, die dabei helfen soll auf typische Symptome aufmerksam zu machen und zu vermitteln, wie sich eine depressive Erkrankung anfühlt:

Auch im Bereich der Stadtentwicklung kann Virtual Reality eingesetzt werden, um die Barrierefreiheit von Gebäuden, Orten und Plätzen zu gewährleisten. So kann beispielsweise bereits in der Planungsphase simuliert werden, inwiefern der Ort für Personen mit körperlichen Beeinträchtigungen erreichbar ist oder wo es noch Nachbesserungsbedarf gibt.

Das Potenzial, um mit Hilfe von Virtual Reality Barrieren abzubauen, ist groß. Jedoch gibt es auf dem Weg zu einer breiteren Durchsetzung noch einige Hindernisse zu nehmen. Nach wie vor stellt Motion Sickness für viele Anwender:innen ein Problem dar und neben technischen Limitationen fehlt an vielen Stellen das Bewusstsein, beispielsweise im Rahmen der Konzeption eine barrierefreie Navigation zu berücksichtigen. Und zuletzt wären da noch die finanziellen und technischen Hürden, die vielen Menschen aktuell den Zugang zur Technologie nach wie vor verwehren.

Ein kleines Fazit zur Barrierefreiheit in und mit VR

Virtuelle Rundgänge und Virtual Reality bieten heutzutage schon interessante Möglichkeiten für Menschen mit Behinderungen, es gibt aber an vielen Stelle noch deutlichen Optimierungsbedarf. Nicht nur die Anwendungen selbst bedürfen eine feinere Anpassung und mehr Aufmerksamkeit für diese Zielgruppen, auch Barrieren in Form der Zugänglichkeit müssen behoben werden. In jedem Fall bietet das gesamte Spektrum der Virtual Reality großes Potential und Entwicklungsmöglichkeiten, um Inklusion zu ermöglichen und wir sind gespannt, was sich in diesem Umfeld in den kommenden Jahren alles tun wird.