„Ich fürchte dieses Virtual Reality ist nichts für mich, da wird mir schlecht“, hören wir immer wieder, wenn es um VR geht. Die sogenannte Motion Sickness ist derzeit wohl eine der größten Einsatzbarrieren bei der Verbreitung von Virtual Reality. Dabei lässt sie sich mit verschiedenen Tipps und Tricks verringern, wenn nicht sogar auslöschen. Wir verraten euch hier, was es beim VR-Videodreh zu beachten gilt, damit der Nutzer das 360°-Video nicht zum Kotzen finden.

Was hilft gegen Motion Sickness? Wir verraten euch unsere Tricks gegen VR-Übelkeit.

Was hilft gegen Motion Sickness? Wir verraten euch unsere Tricks gegen VR-Übelkeit.

Was ist Motion Sickness?

In der Regel sprechen wir von Motion Sickness (oder auch Cyber Sickness), wenn Schwindelgefühle, Übelkeit oder allgemeines Unwohlsein beim Nutzer auftreten, während er hinter der VR-Brille steckt.

Das Gefühl entsteht immer dann, wenn die verschiedenen Sinnesreize nicht mehr miteinander übereinstimmen: Im Fall der VR-Anwendung nimmt zum Beispiel das Auge zwar eine Bewegung in der virtuellen Welt wahr, diese wird vom Gleichgewichtssinn jedoch nicht bestätigt. Klar, denn die Flüssigkeit in den semizirkulären Kanälen des Innenohrs, die eigentlich dafür zuständig sind, Körperbewegungen zu registrieren, bleiben natürlich unberührt, wenn die Bewegung lediglich in der virtuellen Welt stattfindet und wir währenddessen still auf einem Stuhl sitzen.

Diese widersprüchlichen Sinnesreize sorgen dann auch dafür, dass der Körper Alarm schlägt: Das Gehirn geht davon aus, dass wir halluzinieren und das widerrum könnte ein Anzeichen für eine Vergiftung sein. Deshalb wird sicherheitshalber das Brechzentrum aktiviert, um den Körper schnellstmöglich wieder auf Kurs zu bringen.

Andere kennen das Phänomen vielleicht auch beim Lesen während einer Autofahrt: Hier ist es genau umgekehrt, denn der Gleichgewichtssinn registriert zwar eine Bewegung, das Auge sieht jedoch das statische Buch, was zu einer Diskrepanz der Sinneswahrnehmung führt und ebenfalls zu Unwohlsein führend kann. Hier kann es helfen, aus dem Fenster zu schauen, um die Signale wieder in Einklang zu bringen. Im Bereich VR und 360°-Produktion haben wir andere Methoden, die gegen Motion Sickness helfen:

Was tun, um Motion Sickness zu bekämpfen?

1. Den Content auf den Nutzer abstimmen

Das wahrscheinlich Schlimmste, was man jemanden mit VR-Brille antun kann, ist eine Achterbahnsimulation und dabei kommt dies besonders gerne bei VR-Neulingen zum Einsatz! Kein Wunder, wenn man Virtual Reality anschließend zum Kotzen findet, denn eine 360°-Achterbahnfahrt kann selbst den härtesten Magen in die Knie zwingen. Während sich Kinder noch am ehsten an einer rasanten Fahrt erfreuen können, empfiehlt es sich bei Erwachsenen Zuschauern langsamer zu starten und den Content mit Bedacht auszuwählen, denn Wiedersehen macht Freude!

2. In der Ruhe liegt die Kraft

Während bei Social Media-Clips gerne schnelle Schnitte genutzt werden, um Spannung zu erzeugen, empfiehlt es sich bei einem VR-Video, die Sache ruhiger angehen zu lassen. Schnelle Schnitte können hier dazu führen, dass der Nutzer die Orientierung verliert. Besser ist es, die Spannung über ein gutes Storytelling zu vermitteln, schließlich haben wir nun eine deutliche größere Leinwand zur Verfügung, die lieber ausgenutzt werden sollte, anstatt ständig die Perspektive zu wechseln. Wesentlicher Erfolgsfaktor ist hier eine statische, aber möglichst zentrale Kameraposition.

3. Fixpunkte finden

Ein Drohnenflug bietet zwar einen spektakulären Überblick, jedoch kann er auch schnell in Motion Sickness enden. Reduzieren lassen sich die Symptome, indem bspw. die Diskrepanz zwischen den simulierten und tatsächlichen Bewegungen möglichst gering gehalten wird. Bewegungen, die denen im echten Leben ähneln, sorgen seltener für Motion Sickness, so sorgt es für Unwohlsein, wenn wir beispielsweise vorwärts laufen, aber dabei zur Seite schauen. Deshalb kann es helfen, Bewegungen auf die Blickrichtung abzustimmen und möglichst auf Drehungen oder Sprünge zu verzichten und lieber auf eine konstante Vorwärtsbewegung zu setzen. Helfen können auch Fixpunkte, zB ein Cockpit, an dem sich der Zuschauer orientieren kann.

4. Latenzen reduzieren

Auch technische Aspekte spielen bei Motion Sickness eine Rolle, so fördern hohe Latenzen und stark wechselnde Bildraten innerhalb eines VR-Videos das Unwohlsein des Nutzers. Die Latenz beschreibt die zeitliche Verzögerung, um die Kopfbewegung mit der VR-Brille in der Anwendung wiederzugeben, je höher diese ausfällt, umso schlimmer! Bei einer starken Latenz sieht der Benutzer beispielsweise seine Kopfbewegungen später, als er sie tatsächlich ausführt. Dem begegnet man am wahrscheinlichsten mit einer veralteten, und/ oder Smartphone-basierten VR-Brille, die dafür besonders anfällig sind. Neuere Brillengenerationen wie die Oculus Go oder die Oculus Quest sind mit besseren Bewegungssensoren ausgestattet, womit sich Latenzen vermeiden lassen.

5. Virtuelle und reale Welt in Einklang bringen

Das beste Rezept gegen Motion Sickness ist es, die Diskrepanz zwischen Seh- und Gleichgewichtssinn möglichst zu verhindern. Das gelingt entweder, indem wir auf Bewegung in der virtuellen Welt verzichten (siehe Punkt 2) oder, indem wir die virtuelle Bewegung in die reale Welt übertragen. So lässt sich eine rasante Autofahrt deutlich authentischer vermitteln, wenn wir währenddessen in einem Auto sitzen, das Cockpit sehen und das Lenkrad spüren und im besten Fall die selbe Kurvenbewegung mitmachen, die wir in dem VR-Video zu sehen bekommen.

6. Jetzt mach aber mal ’ne Pause!

Die erste Hilfe Maßnahme bei Motion Sickness ist es, die Augen zu schließen, wenn die Kamerabewegung nicht mit der Kopfbewegung übereinstimmt. Wird es anschließend nicht besser, sollte man sicherheitshalber eine Pause einlegen und ggf das Gerät neu kalibirieren oder die Anwendung neuzustarten. Es lohnt sich auf jeden Fall dran zu bleiben, denn Motion Sickness ist auch Gewohnheitssache und lässt sich mit der Zeit abbauen.