Erst kürzlich durfte Claudia aus dem omnia360-Team im Rahmen eines Interviews mit dem Stern Magazin über die Vorzüge und Einsatzmöglichkeiten von Virtual Reality im Hamburger Stadtmarketing berichten. Neben dem Rathaus, der Elbphilharmonie oder dem virtuellen Rundgang durch das Hamburger Planetarium, wurden im vergangenen Jahr eine Reihe von touristischen Sehenswürdigkeiten der Stadt virtuell begehbar gemacht. Nicht verwunderlich, denn immersive Medien haben im Zuge der Corona-Pandemie deutlich an Beliebtheit gewonnen (siehe auch Wie kann Virtual Reality und 360°-Content in der Corona-Krise genutzt werden?). Die Schließung von Museen, Theatern und anderen Kultureinrichtungen hat insbesondere den Einsatz von VR und AR im Bereich Kulturtourismus vorangetrieben und Chancen für digitale Lösungen eröffnet. Ein notwendiger und sinnvoller Schritt.

Die World Tourism Organization verzeichnete in Europa im Jahr 2020 einen Rückgang an internationalen  Touristenankünften von insgesamt 69 %. Die UNWTO sah neue Technologien und Medien, wie Virtual und Augmented Reality bereits vor der Corona-Pandemie als wichtiges Element für die Zukunft der Tourismusbranche. Reisebeschränkungen, Einreiseverbote und Quarantänevorschriften haben die Dringlichkeit zur Nutzung derartiger neuer Medien noch einmal verschärft und die Bereitschaft hin zum digitalen Wandel verstärkt. So haben auch andere Tourismussektoren das Potenzial des “virtuellen Reisens” erkannt und sich zu Nutze gemacht, um unabhängig von den geltenden Einschränkungen Einnahmen zu erzielen.

In diesem Beitrag berichtet Angelina Eimecke, bei omnia360 zuständig für die Bereiche Human Resources und Projektmanagement, über den Einsatz von immersiven Medien im Tourismus. Durch ihr Tourismusmanagement Studium besitzt sie eine besondere Affinität für die Branche und wird im Folgenden einige spannende Use Cases sowie Vorteile des “Virtuellen Reisens” vorstellen.

Die ganze Welt von zuhause aus sehen? Virtuelles Reisen machts möglich!

Um die Einsatzmöglichkeiten von VR und AR im Tourismus zu verstehen, gilt es den Begriff “Virtuelles Reisen” zunächst einmal zu definieren. Hierbei handelt es sich nämlich in keinster Weise um eine Alternative zum herkömmlichen Reisen. Ein Glück, denn so faszinierend wie ich immersive Medien auch finde, so wenig möchte ich, dass sie mir meinen heißgeliebten Urlaub irgendwann ersetzen. Vielmehr verkörpern neue Medien im Tourismus eine Art Ergänzung zum physischen Reisen – eine Chance um die Orte begehbar zu machen, die sonst nur schwer oder kaum zugänglich sind oder in Ihrer Form eventuell gar nicht mehr existieren. 

Der Begriff “Virtuelle Reisen” steht stellvertretend für eine Reihe von spannenden Projekten und Leistungen, die allesamt eine Gemeinsamkeit haben: eine touristische Aktivität mit Hilfe von digitalen Medien wie Virtual- oder Augmented Reality virtuell zugänglich zu machen.

Einsatz von Virtual Reality im Tourismus

Virtual Reality ermöglicht das vollständige Eintauchen in eine digitale Umgebung. Im Kontext des Tourismus könnte das eine gewisse Destination sein, die ganz bequem vom heimischen Sofa aus besucht werden kann. Erst kürzlich habe ich einen Podcast zu diesem Thema gehört, in dem der Erzähler davon berichtet hat, dass er sich jeden Nachmittag mit seiner VR-Brille an den Strand begibt, um dort ein Hörbuch zu hören! Mit nur wenigen Klicks ans andere Ende der Welt – Virtual Reality macht’s möglich! 

Ein tolles Beispiel für den touristischen Mehrwert von Virtual Reality wäre wohl der im folgenden Video dargestellten Use Case: eine virtuelle Reise nach Nordkorea, einer Destination, die in der Realität nicht mal eben so besucht werden kann.

Denkbar wäre neben dem reinen Stadtmarketing aber auch der Besuch eines Strandes, einer Landschaft oder auch die virtuelle Durchführung von touristischen Aktivitäten. 360-Grad-Videos, wie das folgende Beispiel, ermöglichen es am Great Barrier Reef schnorcheln zu gehen, ohne dabei dem Korallenriff oder der Umwelt zu schaden:

Einige Schwimmbäder bieten sogar VR-Taucherlebnisse vor Ort an, bei denen Besucher:innen eine wasserfeste VR-Brille bekommen und während eines echten Tauchgangs eine virtuelle Unterwasserwelt erkunden können!

Die digitale Umgebung, welche Touristen auf Ihrer virtuellen Reise besuchen können, basiert dabei entweder auf Fotodaten, die an den jeweiligen Orten real aufgenommen worden sind. Sie kann jedoch auch komplett 3D-animiert sein und in der Realität so gar nicht existieren bzw. an das Aussehen von echten Destinationen angelehnt sein. Unabhängig von der jeweiligen Realisierungsmöglichkeit erlaubt Virtual Reality den Nutzer:innen daheim äußerst authentische Einblicke in die dargestellten Orte. Anders als Fotos oder Videos, kann die virtuelle Realität Sekundärerfahrungen – also solche Erfahrungen, die durch digitale Medien erzeugt werden – glaubhaft echt und auf einer besonders emotionalen Art und Weise vermitteln.

Virtuelles Reisen ermöglicht einzigartige Einblicke in Nah und Fern, unabhängig von Ort, Zeit oder anderen Umweltfaktoren. Es soll Tourismus erlebbar machen und Zugänglichkeit schaffen, jedoch nicht den herkömmlichen Urlaub ersetzen. Ob digitale Führungen in die potenziellen Wunsch-Destinationen, die für die nächste Reise in Frage kommen, das risikofreie Ausprobieren von Aktivitäten, zu denen man sich im echten Leben niemals trauen würde (beispielsweise ein Bungee Jump aus 200m Höhe) oder auch Ausflüge zu unmöglichen Orten, wie ein Trip ins Weltall – dem virtuellen Reisen sind keine Grenzen gesetzt!

Einsatz von Augmented Reality im Tourismus

Im Gegensatz zu Virtual Reality ist die Umgebung, in der man sich in Augmented Reality befindet noch immer die reale. (Mehr zum Unterschied zwischen VR und AR). Allerdings wird die Realität hierbei um digitale Objekte erweitert.

Das an Hieroglyphen erinnernde Pokémon “Symvolara” erscheint nur in Ägypten und Griechenland. Um es zu fangen, muss man dort hinreisen!

Das wohl bekannteste Beispiel für Augmented Reality im Tourismus ist die App Pokémon GO. Sie erlaubt Nutzer:innen draußen spazieren zu gehen und unterwegs den unterschiedlichsten Pokémon zu begegnen, die durch den AR Modus des Spiels mitten auf dem Gehweg, der Wiese oder dem eigenen Zuhause sichtbar werden und sich einfangen lassen. 

Warum ich Pokémon GO als ein besonders tolles Beispiel für AR im Bereich Tourismus halte, ist, dass ich selbst mit der App angefangen habe, während ich auf einer Reise durch Malaysia und Singapur war. Und zwar haben wir die App genutzt, um unsere Spaziergänge in den verschiedensten Städten eine Art Zweck zu verleihen! 

Wir sind oft einfach wahllos losgelaufen, haben Pokémon Go angeworfen und geschaut, wo uns die Erkundungstour so hinführt! Die im Spiel verzeichneten PokéStops, zu denen man für Ressourcen im Spiel gehen muss, liefern eine Vielzahl an Informationen zu kleinen Attraktionen, Denkmälern oder Tempeln! Dies hat dazu geführt, dass wir Orte gesehen haben, die uns ein Reiseführer nie empfohlen hätte und wir dadurch viel mehr von der Reise mitgenommen haben! Es gibt sogar Monster, die sich nur in bestimmten Ländern oder auf ausgewählten Kontinenten fangen lassen. Um “sie alle zu schnappen” suggeriert die App also, dass man einmal um die Welt fliegt. Ein echt cooles Konzept!

Augmented Reality eignet sich auch gut, um mehr über die Vergangenheit zu erfahren! Wie in dem nächsten Video sichtbar wird, machen sich einige Städte und Sehenswürdigkeiten AR zunutze, um Besucher:innen zu zeigen, wie gewisse Gebäude früher einmal ausgesehen haben. Ein Blick durch das Smartphone genügt und das Objekt, das gerade in der Realität vom eigenen Auge wahrgenommen wird, verändert sein Aussehen. AR eignet sich also sehr gut, um die Vergangenheit zu rekonstruieren und um Einblicke in frühere Zeiten zu gewähren. Gleichermaßen kann so aber auch eine noch nicht existierende Zukunft dargestellt werden, indem eine AR-Anwendung beispielsweise geplante Bauvorhaben in Städten sichtbar macht.

Vorteile des virtuellen Reisens

Dass Tourismusunternehmen während der Pandemie mehr oder weniger gezwungen waren immersiven Medien eine Chance zu geben ist, Fluch und Segen zugleich. Fluch, da diese Situation die meisten Konzerne in eine enorme finanzielle Not gebracht hat. Ungern wird in Krisensituationen wie dieser, in der Mitarbeiter:innen in Kurzarbeit gehen oder gar entlassen werden, in neue unbekannte Maßnahmen investiert. Zugleich mangelte es vor allem kleinen und mittelständischen Touristikanbietern bereits vor der Krise an finanziellen Mitteln. Segen, weil diese Firmen ohne die Dringlichkeit von Zeiten wie dieser eventuell nie oder erst viel zu spät von derartigen Medien Gebrauch gemacht hätten. Eigentlich überraschend, wenn man bedenkt, dass die Vorteile von VR und AR im Tourismus doch eigentlich auf der Hand liegen. 

Virtuelle Rundgänge im Tourismus-Marketing

Kein Medium verkörpert reale Einblicke besser als die virtuelle Realität. Weder Fotos, noch Videos können uns Erlebnisse auf eine derart emotionale Art und Weise vermitteln, wie immersive Medien. Dies ist vor allem im Bereich Marketing eine enorme Stärke. Virtuelle Reisen können potenzielle Touristen mit Hilfe von besonders authentischen Einblicken von einem Hotel (siehe Virtueller Hotelrundgang), einer Destination oder einer touristischen Aktivität überzeugen (siehe auch Ferienwohnungen besser vermarkten). Ein virtueller Rundgang durch den Spa-Bereich eines Luxushotels kann das ausschlaggebende Verkaufsargument sein, welches einen Wettbewerber von der Konkurrenz unterscheidet. Ein virtueller Trip an die Strände Kho Samuis erleichtert den Gästen daheim womöglich die Entscheidungsfindung zwischen Südostasiens zahlreichen Traumdestinationen.

Ihren größten Einfluss haben virtuelle Einblicke in der Informationsphase von potenziellen Kund:innen oder Gästen. Unsere 360°-Rundgänge entfalten genau hier ihr großes Potenzial und ermöglichen es, Orte bereits vor einem realen Besuch zugänglich zu machen. Das schafft Transparenz und hebt Anbieter von Ihren Wettbewerbern ab. In der aktuellen Situation machen virtuelle Rundgänge vor allem die Einrichtungen sichtbar, die aufgrund von Lockdown Beschränkungen geschlossen wurden. Im vergangenen Jahr konnten wir einige interessante touristische Projekte begleiten. Diverse Kultureinrichtungen nutzen die Vorzüge von immersiven Medien, um bspw. Ausstellungen virtuell begehbar zu machen und Vorfreude auf den nächsten Museumsbesuch zu wecken (siehe auch virtueller Museumsrundgang). Dem Planetarium Hamburg durften wir dabei helfen, Bereiche begehbar zu machen, die in der Realität aufgrund von fehlenden Brandschutzmaßnahmen nicht zugänglich sind.

Die Nutzung von virtuellen Einblicken auf der eigenen Webseite oder den Social-Media-Kanälen kann insbesondere für die eigen Inspiration und der anschließenden Buchung von Vorteil sein. Darüber hinaus helfen Sie dabei, jüngere Zielgruppen zu erreichen, die längst ihr Vertrauen in veraltete Katalogbilder verloren haben und sich vor einer Reise intensiv bei den touristischen Leistungsträgern informieren. Ein paar negative Rezensionen reichen meist aus, um junge Erwachsene von einem Aufenthalt in einem Hotel abzuhalten. Gut aussehende Fotos genügen nicht mehr, um ausreichend Vertrauen für eine Buchung aufzubauen. Eine 3D-Tour, die einen direkt in das jeweilige Wunschzimmer transportiert und das Haus vorab virtuell begehbar macht, erzeugt hingegen Glaubwürdigkeit.

Reisen zu schwer zugänglichen Orten

Neben dem Einsatz von Virtual- und Augmented Reality als digitale Kommunikationsmedien, kann virtueller Tourismus auch Reisen in “unmögliche” Destinationen ermöglichen. Schon mal von einem Flug auf den Mond geträumt? Oder einem Helikopterflug ins Innere eines Vulkans? Virtual Reality macht’s möglich! Hierbei wird zwischen der Nutzung realer Foto- oder Videoaufnahmen, die reale Orte virtuell begehbar machen, und 3D-Animationen unterschieden, bei denen VR-Anwendungen auf Basis von Computer-Animationen erstellt werden. Bei letzterem sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt! Einfach die VR-Brille aufsetzen und das virtuelle Abenteuer kann losgehen! Ich für meinen Teil würde ja unglaublich gerne mal auf den Mount Everest wandern, ohne die Kälte auf mich nehmen zu müssen.

Neue Technologien ermöglichen es, Orte zu rekonstruieren, die in der Vergangenheit existiert haben, aber heute nicht mehr so bestehen wie früher. Das Unternehmen TimeRide beispielsweise fährt mit einem echten Bus durch Berlin zu DDR Zeiten. Die Fahrgäste tragen dabei VR Brillen, die Ihnen während der Fahrt durch die Stadt zeigen, wie die Orte, die sie passieren, früher ausgesehen haben. Eine Tourismus Attraktion, die es erlaubt, Geschichte hautnah zu erleben! 

Neben schwer zugänglichen Orten, ermöglicht virtuelles Reisen es auch, den Leuten an touristischen Aktivitäten teilzunehmen, die sonst alters- oder auch krankheitsbedingt nicht oder nur sehr selten verreisen können.

Potenzial von “Virtuellen Reisen”

Die aktuellen Zeiten zeigen, wie stark touristische Unternehmen vom digitalen Wandel profitieren können. Virtuelle Reisen sowie digitale Besuche von touristischen Attraktionen und Sehenswürdigkeiten machen Tourismus unabhängig von Ort und Zeit und machen touristische Räume unabhängig von Umwelteinflüssen für Besucher:innen begehbar, was enormes Potenzial im Bereich der Online-Kommunikation und des Marketings birgt. Ich bin begeistert von den zahlreichen Einsatzmöglichkeiten von Virtual und Augmented Reality im Tourismus und freue mich zu sehen, wie immersive Medien dazu beitragen, Destinationen, Aktivitäten und Erlebnisse virtuell zugänglich zu machen. Ich bin gespannt, wo die “Virtuelle Reise” noch so hingehen wird!