Ich setze eine VR-Brille auf, also habe ich es mit Virtual Reality zu tun, ist doch eigentlich logisch, oder? Tja, ganz so einfach ist es leider nicht. Um ehrlich zu sein, bringt uns dies sogar direkt zur Wurzel der ganzen Verwirrung. Denn sowohl 360 Grad Videos, als auch Virtual Reality-Inhalte lassen sich mit der VR-Brille betrachten und werden deshalb oft in einen Topf geworfen.
Viele sprechen von „VR-Videos“, wenn sie eigentlich ein 360-Grad-Video meinen. Doch sind 360-Grad-Videos wirklich Virtual Reality?
Wenn man es ganz genau nimmt, lautet die kurze Antwort: Nein – zumindest nicht im klassischen Sinn.
In diesem Artikel erklären wir verständlich und praxisnah
- Was ein 360-Grad-Video ist
- was echte Virtual Reality ausmacht
- wo die technischen Unterschiede liegen
- wann welche Technologie sinnvoll ist

Ist es Virtual Reality (links) oder ein 360°-Video (rechts)? Tobias und Claudia von omnia360 machen den Technik-Check!
Virtual Reality oder 360°?
Am besten starten wir erst einmal mit einem kurzen Überblick beider Technologien, bevor wir in die Unterschiede und Gemeinsamkeiten einsteigen.
Was ist ein 360-Grad-Video?
Ein 360-Grad-Video ist ein sphärisches Video, das in alle Richtungen gleichzeitig aufgenommen wird. Der Zuschauer befindet sich gedanklich im Mittelpunkt der Szene und kann den Blick frei nach links, rechts, oben und unten bewegen.
Wichtig dabei:
- Die Position bleibt immer gleich
- Es gibt keine echte Bewegung im Raum
- Keine Interaktion mit Objekten
360-Grad-Videos können auf verschiedenen Endgeräten konsumiert werden:
- im Browser
- auf dem Smartphone
- mit einer VR-Brille
Der große Vorteil: geringe Einstiegshürden und hohe Reichweite, z. B. für Marketing, Events oder Imagefilme.
Was ist Virtual Reality
Virtual Reality (VR) beschreibt eine vollständig computergenerierte, digitale Umgebung, in die der Nutzer mithilfe eines VR-Headsets eintaucht. Im Gegensatz zum 360-Grad-Video ist VR interaktiv.
Typische Merkmale von Virtual Reality:
- Bewegung im Raum möglich
- Interaktion mit virtuellen Objekten
- Echtzeit-Rendering
- Hoher Immersionsgrad
Virtual Reality wird häufig eingesetzt für:
- Trainings & Schulungen
- Simulationen
- Produktentwicklung
- Games & interaktive Anwendungen
Wo liegen die technischen Unterschiede zwischen VR und 360°?
Nicht alles, was mit der VR-Brille konsumiert wird, ist auch Virtual Reality. Tatsächlich ist die VR-Brille lediglich das Ausgabegerät (vergleichbar mit einem Computermonitor), über welches sich die VR-Anwendungen oder das 360-Grad-Video anschauen lässt, es sagt jedoch wenig über den eigentlichen Inhalt aus. Wir unterscheiden schließlich auch zwischen den Medienformaten Computerspiel und Video, obwohl beides über einen Computermonitor abgerufen werden kann, ähnlich verhält es sich bei 360°-Video und Virtual Reality. VR ist nämlich vielmehr in der Computergrafik anzusiedeln, während 360-Grad-Videos aus dem Umfeld der Videotechnik stammt. Aber schauen wir es uns doch einfach einmal näher an:
In unserem Blog haben wir uns bereits umfassend mit der Frage Was ist Virtual Reality? beschäftigt, sodass wir gleich zur abschließenden Definition springen können: Virtual Reality ist eine 3D-generierte Welt, die sich mit geeigneten Hilfsmitteln (VR-Brille und Controller) immersiv und in Echtzeit erleben lässt.
Immersion bedeutet, in den Inhalt eines Mediums einzutauchen. Aber was ist mit „in Echtzeit“ gemeint? Kurz gesagt heißt es, die Anwendung reagiert direkt auf die Eingabe des Nutzers und er kann im Gegensatz zu einem Film (der bereits abgedreht ist) Einfluss auf die Handlung nehmen. Der folgende Trailer aus dem VR-Game „Tower Tag“ verdeutlicht noch einmal die Interaktionsfähigkeit von Virtual Reality mit der virtuellen Welt und mit anderen Nutzern:
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Abgrenzung von 360-Grad-Medien:
360°-Technologie hat ihren Ursprung hingegen in der Film- und Videotechnik. Statt einen fest vorgegeben Bildausschnitt, wie bei klassischen Bild-/ und Videoaufnahmen, können Nutzende den Bildausschnitt selbst bestimmen. Das kennt man bereits von Panoramabildern, wo so viel Bild aufgezeichnet wird, dass man in der Regel gar nicht alles “auf einen Blick“ anschauen kann. Bei 360°-Content handelt es sich auch um Panoramaaufnahmen, jedoch im Kugel-Format (siehe auch die Evolution des Bild-Formats). Das könnt ihr euch so vorstellen, als würdet ihr in der Mitte einer hohlen Kugel stehen, bei der die gesamte Innenfläche dieser Kugel eine Leinwand darstellt. Nutzer:innen können sich nun per Blicksteuerung umschauen und verschiedene Ausschnitte ins Visier nehmen. Um ein Kugelpanorama zu erschaffen, müssen wir also gleichzeitig in alle Richtungen aufnehmen und der Bildausschnitt wird nicht mehr von den Produzierenden festgelegt, sondern von den Zuschauenden. Somit erschaffen wir mit 360°-Content in der Regel keine neue virtuelle Welt, sondern nehmen den Ist-Zustand auf (Reality Capture) und ergänzen ihn im besten Fall mit einigen interaktiven Elementen. Der Oberbegriff 360-Grad-Content umfasst 360-Grad-Bilder, 360-Grad-Videos und Virtuelle Rundgänge – also all das, was wir von omnia360 so produzieren. Zur Veranschaulichung gibt es hier ein Beispiel eines 360-Grad-Videos, in dem ihr euch frei umschauen könnt:
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Unterscheidungsmerkmale: Virtual Reality und 360-Grad-Videos
Schuld an dem Begriffsdurcheinander sind natürlich nicht nur die VR-Brillen. Es hat auch viel damit zu tun, dass der Begriff Virtual Reality in der Populärwissenschaft deutlich verbreiteter ist, was sich viele Marketer zunutze machen und lieber von VR als von 360° sprechen. Deutlich wird der Unterschied zwischen den beiden Medienformen, wenn man ein 360-Grad-Video über ein Desktop- (PC, Laptop) oder Handheld-System (Smartphone, Tablet) konsumiert. Diese Möglichkeit steht dem Nutzer bei „echten“ Virtual-Reality-Inhalten nämlich nicht zur Verfügung und ist schon einmal ein zentraler Ansatzpunkt für eine Unterscheidung.
Freiheitsgrade: 3DOF vs. 6DOF
Der wichtigste technische Unterschied zwischen 360-Grad-Video und Virtual Reality liegt in den sogenannten Degrees of Freedom (DOF).
| Merkmal | 3 Degrees of Freedom (3DOF) | 6 Degrees of Freedom (6DOF) |
|---|---|---|
| Bewegungsart | Reine Rotation (Drehbewegungen) | Rotation und Translation (Bewegung im Raum) |
| Mögliche Aktionen |
|
|
| Nutzererfahrung | Statisch: Der Nutzer kann nur den Blickwinkel ändern. | Dynamisch: Der Nutzer bewegt sich frei im virtuellen Raum. |
| Typische Basis | Klassische 360 Grad Videos | Echte VR-Simulationen und interaktive Rundgänge |
Merksatz:
360-Grad-Videos = Umschauen
Virtual Reality = Umschauen + Bewegen + Interagieren
Echtzeitberechnung
Wie in der VR-Definition bereits angeschnitten, stammt Virtual Reality aus der Echtzeitcomputergrafik. Das heißt, die interaktive, virtuelle Welt wird in der VR-Anwendung vom Computer kontinuierlich gerendert oder vereinfacht ausgedrückt aktualisiert, da das System Eingaben des Nutzers berücksichtigen und dementsprechend die interaktiven Elemente und die Sicht des Anwenders auf diese anpassen muss. Eine solche Echtzeitberechnung entfällt bei 360-Grad-Videos, da dabei lediglich der Blickwinkel auf die bereits aufgezeichneten Inhalte neu berechnet werden muss.
Sind 360-Grad-Videos also Virtual Reality oder nicht?
Die fehlende Echtzeitberechnung und die eingeschränkte Bewegungsfreiheit ermöglichen eine deutlichere Abgrenzung zwischen VR und 360-Grad-Medien. Während es in der VR möglich ist, an virtuellen Welten teilzunehmen und diese interaktiv zu erleben, sind den 360-Grad-Inhalten deutliche Grenzen gesetzt. Eine VR-Anwendung ist eher mit einem Computerspiel vergleichbar, welches auf die Eingabe des Nutzers reagiert, während ein 360°-Video mit Filmen oder Serien vergleichbar ist, bei denen der Nutzer zwar das Blickfeld frei wählen kann, jedoch keinen Einfluss auf die Handlung nehmen kann, da diese vorher bereits aufgezeichnet wurde.
Warum trotzdem oft von VR-Videos gesprochen wird
Da die Wiedergabe häufig über VR-Brillen erfolgt und ein Gefühl von Immersion vorhanden ist, werden 360 Grad Videos häufig als „Virtual Reality“ bezeichnet, passender wäre es jedoch, sie den immersiven Medien zuzuordnen.
360-Grad-Videos als Einstieg in die virtuelle Realität
Für Einsteiger in die Technologien sind die Unterschiede jedoch nur begrenzt nachvollziehbar und es wird nicht jedem sofort klar, ob die präsentierte Welt und dessen Elemente in Echtzeit neu berechnet werden oder ob es lediglich das Sichtfeld ist, welches sich je nach Blickrichtung der gespeicherten Aufnahme anpasst. Vielmehr hinterlassen beide Medien derzeit einen bleibenden Eindruck, indem sie einen vollständig in ihren Bann ziehen können. Trotz einiger zentraler Unterschiede können 360-Grad-Videos deshalb als Vorstufe oder als Einstieg in die VR betrachtet werden, da sich aus ihrer Immersionsfähigkeit ähnliche Wirkungseffekte ergeben können.
Im Gegensatz zu Virtual-Reality-Anwendungen haben 360-Grad-Videos dabei den Vorteil, dass sie sich mit einem geringeren Aufwand produzieren lassen und so ideal für die ersten Schritte in Richtung VR eignen. Vor allem im Marketing ist es praktisch, dass sich der Inhalt nicht nur für eine VR-Kampagne, sondern auch im Rahmen des Online-Marketings einsetzen lässt (siehe auch mit 360-Grad-Videos zu mehr Erfolg im Facebook-Marketing).
Typische Einsatzgebiete für 360-Grad-Videos und VR
| Kategorie | 360-Grad-Videos | Virtual Reality (VR) |
|---|---|---|
| Typische Einsatzgebiete |
|
|
| Vorteile |
|
|
Fazit – welche Technologie ist die richtige?
360-Grad-Videos und Virtual Reality verfolgen unterschiedliche Ziele:
- 360-Grad-Videos eignen sich ideal für Storytelling, Marketing und Reichweite.
- Virtual Reality ist die richtige Wahl, wenn Interaktion, Training oder Simulation im Fokus stehen.
Die Entscheidung hängt weniger von der Technologie ab – sondern vom Ziel deines Projekts.
Übrigens: Auch zur Unterscheidung von Virtual Reality und Augmented Reality haben wir einen Beitrag verfasst, der sich sicherlich zu Lesen lohnt: Der Unterschied zwischen Virtual Reality und Augmented Reality.
