Unser Kommunikations- und Informationsverhalten hat sich mit der Digitalisierung stark verändert. Wenn wir etwas wissen wollen, dann googlen wir es. Der digitale Wandel beeinflusst unsere Gesellschaft auf zahlreiche Arten und Weisen und macht dabei vor kaum einer Branche halt.

Mit VR und AR stehen nun die nächsten Technologien in den Startlöchern, denen eine disruptive Wirkung für unser Kommunikationsverhalten prophezeit wird.  Im folgenden Beitrag wollen wir die Frage klären, welche Rolle Virtual- und Augmented Reality als Kommunikationsmedien spielen und tauchen dafür tief in den Bereich der Medien- und Kommunikationswissenschaften ein.

VR als digitales Kommunikationsmedium

Was taugt Virtual Reality als Kommunikationsmedium? Wir nähern uns der Frage aus wissenschaftlicher Perspektive.

Was ist überhaupt ein Medium?

Der Medienbegriff hat sich im Laufe der Zeit immer stärker ausgeweitet und ist ausgesprochen heterogen, sodass er je nach Untersuchungshorizont unterschiedlich verwendet werden kann. So stellte der Medienwissenschaftler Joachim Paech bereits im Jahr 1996 fest, dass kaum jemand „[…] verbindlich sagen [könne], was ein Medium ist, eine Geisterscheinung, ein Stück Draht, ein Fernseher oder ein Radioapparat.” Anstelle eines einheitlichen Verständnisses des Medienbegriffs stehen eine Vielzahl von Definitionsvorschlägen zur Verfügung.
Ursprünglich stammt der Begriff „Medium” aus dem lateinischen und bedeutet so viel wie „in der Mitte befindlich”, der Duden beschreibt es als ein vermittelndes Element. In seinem Werk „Was ist ein Medium?“ bezeichnet Thomas Mock ein Medium als Form der Kommunikation und unterscheidet zwischen dem Medium als Mittel zur Wahrnehmung, als Mittel zur Verständigung oder als Mittel der Verbreitung.

Der Medien-Begriff nach Mock

Die Einteilung von Mock eignet sich dafür, ein besseres Verständnis für die unterschiedlichen Auffassungen des Medienbegriffs zu schaffen.

  • Medien als Mittel der Wahrnehmung werden auch als physikalische Medien bezeichnet, die die Grundlage jeglicher menschlichen Wahrnehmung bilden (z.B. Luft, Licht, Wasser,). So dient bspw. die Luft als Mittel, um Sprache wahrzunehmen, indem sie die Übertragung der Schallwellen der Stimme ermöglicht.
  • Unter Medien als Mittel zur Verständigung sind Zeichensysteme zu verstehen, die es möglich machen, Gedanken, oder Informationen in wahrnehmbare Signale umzusetzen, denen Bedeutungen zugeordnet werden können, um dadurch Inhalte zu übermitteln. Zu solchen Zeichensystemen zählen die mündliche und schriftliche Sprache, Mimik, Gestik, Bilder, Töne und Klänge.
  • Als Mittel der Verbreitung können Medien eine Kommunikation über räumliche und zeitliche Grenzen hinaus ermöglichen. Diese sind i.d.R. technischer Art und dienen der Ausstrahlung und dem Empfang von Signalen. Dabei stellen sie die Infrastruktur bereit, die es technisch möglich macht, Mitteilungen zu vermitteln, zu speichern oder abzurufen. Hierzu zählen bspw. Papier, Telefon oder Fernseher.

Die verschiedenen Formen der Medien nach Mock bieten eine solide theoretische Orientierungsgrundlage, dabei ist jedoch eine eindeutige Zuordnung häufig nicht praktikabel. Dies betrifft insbesondere die digitalen Medien (wie bspw. das Internet aber auch VR oder AR), welche häufig eine Mischform darstellen, bei der die verschiedenen Medienformen ineinandergreifen und sich gegenseitig beeinflussen. Dementsprechend ist eine eindeutige Zuordnung von VR / AR nur wenig zielführend, sodass wir uns vielmehr auf das Kernelement der verschiedenen Ansätze konzentriert werden, wobei ein Medium als ein vermittelndes Element verstanden wird.

Überblick über den Kommunikationsprozess

Gut, nun wissen wir schon einmal, was wir unter dem Begriff des Mediums zu verstehen haben, er hilft uns aber nur begrenzt dabei weiter, welche Rolle das Medium in der Kommunikation spielt. Hier könnte ein Blick in den Kommunikationsprozess jedoch Klarheit schaffen.

Die Lasswell-Formel

Der Kommunikationsforscher und Politikwissenschaftler Harold Dwight Lasswell beschreibt mit der Lasswell-Formel den Akt der Kommunikation mit der Beantwortung der Frage „Who says what in which channel to whom with what effect?” (dt. „Wer sagt was, über welchen Kanal, zu wem, mit welchem Effekt?”). Dieses Modell lässt sich wie folgt darstellen und gilt als ein erster Erklärungsansatz für den Kommunikationsprozess.

Der erste Bestandteil der Formel („Who says?”) bezieht sich auf den Sender, im Rahmen der Kommunikationspolitik das Unternehmen bzw. der Kommunikationstreibende, der eine Kommunikationsbotschaft („What?”) als verschlüsselte Nachricht weitergibt. Diese Kommunikationsbotschaft stellt die Verschlüsselung der kommunikationspolitischen Leitidee dar und enthält die Informationen und Bedeutungsinhalte, mit der die Zielgruppe konfrontiert werden soll, um damit eine Wirkung im Sinne der unternehmenspolitisch relevanten Kommunikationsziele zu erreichen. Der Kommunikationskanal („In which channel?”), der auch als Kommunikationsmedium bezeichnet wird, stellt den Verbindungsweg dar, über den die Botschaft an den Kommunikationsempfänger bzw. die Zielgruppe („To whom?”) gesendet wird. Der Empfänger dekodiert die Nachricht, wodurch eine Wirkung erzielt werden soll („With what effect?”). Die Entschlüsselung des Signals erfolgt dabei jedoch nicht zwangsläufig mit der beabsichtigten Wirkung des Senders, sondern sie ist stark an die Wertvorstellungen, Erfahrungen und Bedürfnisse des Empfängers gekoppelt.

Kommunikationsmittel und Kommunikationsträger

Nicht immer verläuft Kommunikation direkt, dann treten Kommunikationsmittel an die Stelle des persönlichen Kontakts. Das Kommunikationsmittel stellt die reale, sinnlich wahrnehmbare Erscheinungsform der Kommunikationsbotschaft dar, die die ursprünglich von Mensch zu Mensch verlaufende Kommunikation ersetzt / ergänzt und reproduzierbar macht. Diese wird im Regelfall über den kombinierten Einsatz der Modalitäten Text, Bild, Geschmack, Duft und / oder Ton vorgenommen, mit denen die verschiedenen Sinne angesprochen werden können. Dabei lässt sich zwischen unisensorischen Kommunikationsmitteln, die lediglich einen Sinn ansprechen (z.B. Bilder, Tonaufnahmen, E-Mails oder Briefe) und multisensorischen Kommunikationsmitteln, die mehrere Sinne ansprechen (z.B. Videoclips), unterscheiden.

Der Einsatz des Kommunikationsmittels steht in engem Zusammenhang mit dem Kommunikationsträger, der die Kommunikationsbotschaft in Form des Kommunikationsmittels vom Sender an den Empfänger transportiert.

Digitale Kommunikationsmedien

Was sind digitale Kommunikationsmedien?

digitale Kommunikationsmedien

Digitale Medien haben unser Kommunikationsverhalten stark verändert.

Die steigende Nutzung digitaler Medien hat bereits in der Vergangenheit das Kommunikationsverhalten der Gesellschaft grundlegend verändert und auch die Kommunikationsaktivitäten von Unternehmen stark beeinflusst. So sind neben etablierten Medienbetrieben, wie Fernsehanstalten oder Zeitungsverlage, neue Produzenten und Angebote entstanden, sodass Inhalte multimedial über verschiedene Kommunikationsträger verbreitet werden können. Während in der analogen Welt die Informationserstellung und -distribution noch eindeutig an bestimmte Medien gekoppelt ist (z.B. werden Print-Anzeigen i.d.R. nur für Zeitungen / Zeitschriften erstellt), lassen sich die Informationen in der digitalen Welt über unterschiedliche Formate erstellen und weitergeben. Dabei können die technischen Verbreitungsmedien im Kommunikationsvorgang ausgetauscht werden und es kommt zu einer sogenannten Medienkonvergenz. Darunter ist die Verschmelzung verschiedener Medien auf der technischen-, der inhaltlichen- und der Nutzungsebene zu verstehen. Das bedeutet auch, dass Medieninhalte mehrfach vermarktet werden und bspw. Werbespots nicht nur im Fernsehen, sondern auch online über einen Computer konsumiert werden können. Eine weitere Entwicklung brachte die steigende Relevanz sozialer Medien hervor („Phase der Netzwerkkommunikation”), die dazu führt, dass die Kommunikation zunehmend interaktiver wird und Konsumenten vermehrt Einfluss darauf nehmen können.

Virtual- und Augmented Reality als Kommunikationsmedien

Virtual Reality und Augmented Reality können auch Inhalte darstellen und übertragen und lassen sich entsprechend als Kommunikationsmedien definieren: Sie können eine Kommunikationsbotschaft vom Sender an den Empfänger transportieren. Dabei eignen sie sich sowohl zur Kommunikation mit einer einzelnen Person, (Individualkommunikation), sie können sich aber auch an ein disperses Publikum richten (Massenkommunikation).

Im Gegensatz zu anderen digitalen Medien zeichnen sie sich jedoch durch ihre Immersionsfähigkeit aus (siehe auch “Was ist Immersion“). Der Rezipient kann voll in den Inhalt eintauchen, sodass Kommunikationsmittel, Kommunikationskanal und Realität miteinander verschmelzen können.

In diesem Zusammenhang kann man auch von Primär– und Sekundärerfahrung sprechen: Der Begriff “Erfahrung” umfasst die durch Wahrnehmung und Lernen erworbenen Kenntnisse und Verhaltensweisen. Primärerfahrungen sind solche, die ein Mensch selbst gemacht hat, während Sekundärerfahrungen durch ein Medium vermittelt werden. Zweiteres gilt als weniger wirkungsvoll, da dabei das persönliche Erleben fehlt, sodass nicht alle Aspekte und Lehren vollständig vermittelt werden können. Digitale Kommunikationsmedien vermitteln stets Sekundärerfahrungen und sind den realen Erlebnissen dahingehend unterlegen, dass sie nicht selbst mit allen Sinnen erlebt werden können. Durch das zwischengeschaltete Medium entsteht eine Distanz zwischen Rezipienten und Inhalt, sodass die Erfahrung weniger intensiv wirkt. Im Gegensatz zu anderen Medien können Virtual- und Augmented Reality es nun schaffen, die Distanz zwischen Rezipienten und Erlebnis zu verringern und die eigene Präsenz an entfernte Orte übertragen (Telepräsenz).

Erfahren Sie hier mehr darüber, wie verschiedene Lebens- und Unternehmensbereiche von Virtual- und Augmented Reality als Kommunikationsmedien profitieren können: