Zweite Welle, bundesweiter Lockdown, Hygienevorschriften & Restriktionen: Die Corona-Krise stellt nicht nur Bürger*innen, sondern auch deutsche Unternehmen seit mehreren Monaten vor völlig neue und unbekannte Herausforderungen. Um die eigenen Mitarbeiter*innen zu schützen, den Betrieb aufrechtzuerhalten und die Pandemie halbwegs unbeschadet durchzustehen, braucht es geeignete Reaktionen und vor allem den Mut zum Wandel. Anknüpfen an diese Problematik tut New Work: Als Bewegung oder auch Mega Trend deklariert, umfasst die sogenannte „Neue Arbeit“ eine Vielzahl an Instrumenten und Prinzipien, die abrupt auftretenden Veränderungen oder Störungen in unserer Gesellschaft entgegenwirken können.

Warum wir New Work zu Zeiten der Corona-Krise mehr denn je brauchen

New Work wurde schon immer mit Konzepten wie dem „Wandel der Arbeitswelt“ oder der „Digitalisierung“ in Verbindung gebracht – Begriffe, die seit Beginn der Corona-Pandemie in aller Munde sind. Doch derartige Veränderungen zuzulassen, das fällt uns nicht immer leicht. Im Gegenteil, lieber bewahren wir in deutschen Unternehmen das, was schon lange gut läuft, statt unsere Arbeitsabläufe weiterzuentwickeln und Neues auszuprobieren. Als die Corona-Krise letzten März dann erstmals altbekannte Abläufe auf den Kopf gestellt hat oder gar unbrauchbar gemacht hat, waren Betriebe gezwungen zu handeln. Ein Umdenken war unausweichlich um den Schaden der Krise möglichst gering zu halten: Die Zeit für New Work war gekommen!

Im folgenden Beitrag berichtet Angelina Eimecke, Praktikantin im Projektmanagement und Business Development bei omnia360 und angehende Absolventin am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Hochschule Harz über die Erkenntnisse ihrer Bachelorarbeit hinsichtlich der Nutzung von New Work im Umgang mit der Corona-Krise.

Angelina und ihre Bachelorarbeit zum Thema New Work

Angelina und ihre Bachelorarbeit zum Thema New Work

Ich habe mich dazu entschieden dieses Thema im Rahmen meiner Bachelorarbeit zu untersuchen, weil ich durch die Pandemie meinen ursprünglichen Praktikumsplatz kurzfristig vor Antritt der Stelle verloren habe. Schnell musste ich eine Alternative für das Semester finden und entschied mich dazu meine Thesis vorzuziehen und mein Praktikum zu vertagen (glücklicherweise, denn *spoiler alert* sonst wäre ich jetzt wohl nicht hier im tollen omnia360-Team). Aufgrund meiner Spezialisierung im Wahlpflichtfach Personalmanagement und einer Neugierde für aktuelle HR-Themen, bin ich letztendlich auf New Work gestoßen, was mich sofort begeistert hat. Da meine eigenen Arbeitsumstände von der Corona-Krise beeinflusst waren, wollte ich eine Lösung für die Situation finden und einen Plan entwickeln, wie man die Krise als Unternehmen bewältigen kann. Somit fiel der Fokus meiner Thesis darauf, herauszufinden, inwiefern deutsche Unternehmen New Work in der Bewältigung der Corona-Krise nutzen können.

Handlungsempfehlungen für den Einsatz von New Work im Kampf gegen Corona

New Work kann in fünf zentrale Faktoren untergliedert werden: Flexibilität, Individualität, Führung, Agilität und Neue Bürokonzepte. All diese Aspekte umfassen eine Vielzahl an spannenden Instrumenten, die Unternehmen bei der Bewältigung der Corona-Krise dienen. Indem ich unterschiedliche deutsche Betriebe dazu befragt habe, welche Maßnahmen ihnen in der Situation helfen, konnte ich genau untersuchen, welche dieser Faktoren in der Krise von Relevanz sind, welche Instrumente sich besonders im Umgang mit der Pandemie eignen und warum New Work im Kampf gegen die Corona-Krise so nützlich ist:

Flexibilität – Home-Office & Co

Wenn es ein New Work Instrument gibt, dass Unternehmen spätestens im Kontext der Corona-Krise eingeführt haben, dann wohl das Home-Office. Einhergehend mit dem Infektionsschutz und den einzuhaltenden Abstandsregelungen wurde der Faktor Flexibilität zum Gebot der Stunde. Nicht nur Mitarbeiter*innen, sondern insbesondere auch Führungskräfte haben die Vorteile von Remote Work erkannt. Neben dem flexiblen Arbeitsplatz, haben sich auch flexiblere Arbeitszeiten für deutsche Unternehmen als nützlich herausgestellt. Zwischendurch den Gang zum Supermarkt zu erlauben oder die ein oder andere Yoga-Stunde in den Arbeitsalltag einfließen zu lassen, hat einen positiven Einfluss auf Produktivität und Motivation des Teams. Wo Anfang des vergangenen Jahres noch das Vertrauen gefehlt hat und man uns zunächst nur skeptisch in den eigenen vier Wänden unkontrolliert unserem Schicksal überlassen hat, wissen wir nun, dass wir Arbeit und Freizeit nicht möglichst gut voneinander trennen müssen, sondern stattdessen bestmöglich miteinander vereinen sollten! Work-Life-Integration in der Pandemie ist key!

Individualität – Was braucht mein/e Mitarbeiter*in?

Good News is coming - New Work in der Corona Krise

Gute Neuigkeiten: New Work kann Unternehmen, die mit den Auswirkungen der Corona-Krise zu kämpfen haben, unterstützen!

Ein allgegenwärtiger und doch leider oft vergessener New-Work-Faktor ist die Individualität. Und hierbei rede ich nicht von den Fotos und Postkarten, die meinen Omnia-Arbeitsplatz zieren oder dem obligatorischem Sitzsack im Büro (den haben wir natürlich auch!). Gemeint ist hierbei die Teilhabe aller Mitarbeiter*innen am Unternehmensgeschehen, an strategischen Entscheidungen und die Berücksichtigung individueller Bedürfnisse. Die Corona-Krise stellt uns neben der Angst um den eigenen Arbeitsplatz häufig auch vor persönliche Herausforderungen. Auf einmal sind da die rumhüpfenden Kinder, die im Home-Office betreut werden müssen oder eine notwendige Quarantäne in Verbindung mit einer Covid-19-Erkrankung. Vielleicht braucht Mitarbeiterin X zusätzliche Urlaubstage? Mitarbeiter Y braucht eventuell einen finanziellen Zuschuss, damit die eigene Arbeit nicht unter den persönlichen Problemen leidet. An dieser Stelle erfordert New Work ein offenes Ohr seitens der Führungskräfte, das Probleme im Zusammenhang mit der Corona-Krise frühzeitig identifiziert und entgegenwirkt. Besonders geeignete Instrumente umfassen dabei z.B. Feedbackgespräche, Mitarbeiterumfragen oder auch digitale Kaffeepausen, welche sich das Wohlbefinden und die Meinung aller in den Vordergrund rücken.

Führung – gemeinsame Lösungen finden

Glaubt man gar nicht, dass Führung – ein Faktor, der ja eigentlich zu jedem Unternehmen dazu gehört, auch im Kontext von New Work eine tragende Rolle spielt. Doch tut er! Denn eine Krise lässt sich besser durchstehen, wenn man kompetent geführt wird. Jedoch sollte der Fokus im Sinne der Neuen Arbeit diesbezüglich auf Demokratie und Coaching liegen. Krisenführung zeichnet sich nicht dadurch aus, dass Befehle erteilt werden, denen konfliktfrei gefolgt wird, sondern dadurch, dass gemeinsame Lösungen erarbeitet werden, die den Corona-Alltag im Unternehmen erleichtern. Eine gute Führungskraft fungiert hierbei als Vorbild, geht selbstbewusst voraus. Natürlich gibt es keinen perfekten „Tue-dies-und-du-wirst-die-Corona-Krise-unbeschadet-überstehen“-Plan. Im Gegenteil man sollte eher nach dem „Trial and Error“ Prinzip handeln: ganz viel ausprobieren und bereit dazu sein, auch ein paar Fehler zu machen. Nur so kann sich die Effektivität von New Work wirklich entfalten und ein richtiger (funktionierender) Wandel stattfinden. Führungskräfte sollten ihren Führungsstil reflektieren: Was hat bisher in der Krise funktioniert? Was sollte anders gehandhabt werden? Wie wollen Mitarbeiter*innen geführt werden? Vertrauen und Zusammenarbeit sind hierbei ganz wichtig!

Agilität – schnell und unkompliziert

Muss ich zu diesem New-Work-Faktor noch etwas sagen? Agiles Handeln ist in Krisensituationen unerlässlich. Auch wir waren bei omnia360 dazu gezwungen schnell auf die Corona-Pandemie zu reagieren und uns neue Produkte und Möglichkeiten zu überlegen, die wir in dieser schwierigen Zeit anbieten können (dazu mehr in unserem Jahresrückblick 2020). Organisationen müssen entsprechend der Situation angepasst werden. Flache Hierarchien und schnelle Entscheidungen sind das A und O des Faktors Agilität und die wichtigsten Instrumente in diesem Kontext! Meine Untersuchung hat gezeigt, dass Unternehmen, die sich bereits vor der Corona-Krise mit New Work auseinandergesetzt haben und somit gut auf die Veränderung vorbereitet waren, nur wenig unter der Problematik gelitten haben. Daher empfehle ich allen Unternehmer*innen sich bestmöglich mit jeglichen neuen Herausforderungen, die zukünftig auftreten könnten, auseinanderzusetzen.

Neue Bürokonzepte – Ausblick auf eine Zeit nach Corona

Zu Guter Letzt haben wir noch den New-Work-Faktor Neue Bürokonzepte. Darunter fallen Instrumente wie z.B. Desk Sharing, Creative Workspaces oder Coworking Spaces. Auch wenn im Kontext der Corona-Krise und den damit verbundenen Hygienevorschriften derartige Formen der Zusammenarbeit nur bedingt genutzt werden können, sollten diese Aspekte im Zuge eines stattfindenden Wandels nicht vernachlässigt werden. Das deutsche Unternehmen OTTO, welches ebenfalls im Rahmen meiner Forschung befragt wurde, zeigt mit seinem Campus auf beeindruckende Weise, dass Neue Bürokonzepte die Attraktivität eines Arbeitgebers repräsentieren und somit insbesondere in der Zeit nach der Corona-Pandemie, in der es bei vielen Unternehmen um Erholung und Innovation geht, von hoher Relevanz sind.

In diesem Hinblick (und unter dem Gesichtspunkt der Digitalisierung!) kann natürlich auch ein virtueller Rundgang von großer Hilfe sein. Die Tour auf dem OTTO Campus ist ein tolles Beispiel dafür immersive Medien zu nutzen, um New Work zum Ausdruck zu bringen und sich in der neuen Arbeitswelt zu positionieren. (Mehr zum Thema Betriebsrundgang und Employer Branding).

Schlussendlich appelliere ich daran, weiter zu denken, sich mit den genannten Themen auseinanderzusetzen und einen Wandel zuzulassen. Denn mit New Work geht es viel leichter durch die Corona-Krise, als ohne! Und wenn Sie die Virtual Reality und 360°-Medien dafür nutzen möchten, dann beraten wir sie natürlich gerne!